Senioren vernetzen
Erstelldatum28.11.2025
Als Online-Journalist verfolge ich seit vielen Jahren alles rund um smarte Endgeräte, digitale Dienste und den technologischen Wandel im Netz. Was mir dabei immer stärker auffällt – und inzwischen vergeht kaum ein Tag ohne entsprechende Meldung – ist die ausufernde Kriminalität im Internet. Phishing, Betrugsmaschen und Datenklau haben einen traurigen Höhepunkt erreicht. Es tummeln sich mittlerweile erschreckend viele Menschen im Netz, deren einziger Antrieb es zu sein scheint, andere um Geld, Daten oder gleich um ganze Identitäten zu bringen.
Sich sicher durch diese digitale Welt zu bewegen, wird immer schwieriger. Das spüre selbst ich, obwohl ich mich bei diesen Themen durchaus als versiert bezeichnen würde. Wie muss es dann erst für Menschen sein, die in ihrer Jugend keinerlei Berührungspunkte mit moderner Technologie hatten, die bei den Entwicklern oft gar nicht mitgedacht werden und deshalb regelmäßig an der Komplexität von Geräten, Apps oder Software scheitern? Man darf nicht vergessen: Selbst die frischgebackenen Senioren haben als technisches Highlight ihrer Jugend vielleicht 1967 erlebt, als Willy Brandt die Ära des Farbfernsehens in Deutschland einläutete.
Die heutige Jugend dagegen ist mit all dem groß geworden. Internet, Smartphones, Apps und digitale Kommunikation gehören für sie so selbstverständlich zum Alltag wie früher das Festnetztelefon. Entsprechend intuitiv und selbstverständlich bewegen sich Teenager durch diese Welt, als flösse ihnen die Technik direkt aus den Fingern. Was liegt also näher, als diese beiden so unterschiedlichen Generationen miteinander zu verbinden und einen Wissenstransfer von jung nach alt anzustoßen?
Genau diese Idee hatte vor drei Jahren der Lions Club Kraichgau-Hügelland. Seitdem organisiert er regelmäßige Treffen, bei denen Senioren ihre technischen Fragen mitbringen und sich unkompliziert Unterstützung bei Schülerinnen und Schülern holen können. Am Mittwochnachmittag kamen im Seniorenzentrum Stettfeld erneut zahlreiche ältere Menschen mit ganz konkreten Anliegen zusammen und trafen dort auf engagierte Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums in Bruchsal. Nach kurzen Grußworten von Dietmar Rauke und Michaela Landwehrmeyer, der Präsidentin des Lions Clubs, sowie von Bürgermeisterin Katharina Kimmich und Dr. Matthias Bauer, dem stellvertretenden Schulleiter des Gymnasiums, begann die gemeinsame Fragerunde.
Der Eindruck von außen war bemerkenswert: Zum einen zeigten die Fragen der Seniorinnen und Senioren sehr wohl ein Verständnis für neue Technologien. Oft ging es um spezifische Funktionen oder Updates, etwa rund um künstliche Intelligenz oder geänderte Bedienoberflächen moderner Geräte. Zum anderen wurde schnell deutlich, wie mühelos Generationen miteinander kommunizieren können, wenn man sich offen und auf Augenhöhe begegnet. Über eine Stunde lang wurde erklärt, gelacht, probiert, gemeinsam auf Displays geschaut und geduldig jedes Anliegen geklärt.
Am Ende gingen die Senioren mit gestärktem digitalem Selbstbewusstsein nach Hause. Die Schülerinnen und Schüler wiederum mit dem Gefühl, wirklich etwas vermittelt zu haben – und teilweise sogar mit einer Tafel Schokolade als Dankeschön.
Eine wunderbare Veranstaltung und eine Idee, die gerne überall Schule machen darf. Das große gesellschaftliche Problem der fortschreitenden Digitalisierung, die viele ältere Menschen vor enorme Herausforderungen stellt und zugleich Raum für kriminelle Energie bietet, lässt sich dadurch zwar nicht vollständig lösen. Doch der Austausch zwischen den Generationen und der Zusammenhalt, der dabei entsteht, sind wichtige Bausteine, um die digitale Welt ein Stück fairer, zugänglicher und sicherer zu machen.
Text: Stephan Gilliar/hügelhelden.de






