Wie sicher wird die geplante neue Deponie?
Erstelldatum28.05.2026
,,Wie dicht kriegen Sie das Ding denn?“, will der Forster Oliver Berg wissen. „Die alte Deponie ist doch eine tickende Zeitbombe“, glaubt Fred Joachim Rohrig aus Bruchsal zu wissen.
Und Brigitte Schilli aus Leopoldshafen sorgt sich um den sogenannten freigemessenen Bauschutt aus atomaren Anlagen. „Ist dieser Müll rückholbar?“, fragt sie.
Gut 60 Bürger sind zur Informationsveranstaltung des Landkreises zur neuen Mülldeponie gekommen. Die neue Bauschutt-Deponie soll auf der alten Hausmüll-Deponie zwischen Bruchsal und Ubstadt-Weiher entstehen.
Und die Bürger haben sehr konkrete Fragen, sorgen sich um allerlei Gefahren. Sei es um ihr Grundwasser, um Erdbeben, oder sie fragen sich, warum überhaupt die Wahl auf diese Fläche gefallen ist.
Die Veranstaltung dient in erster Linie der Information darüber, warum der Landkreis diesen Standort für am geeignetsten hält. Schon vor Beginn kommen die Bürger mit den Experten ins Gespräch, und es zeigt sich: Viele sind tief im Thema, gerade einige Bürger und Gemeinderäte aus Ubstadt. Sie leben seit Jahrzehnten mit der Müllhalde vor ihrer Haustür und hatten gehofft, irgendwann Ruhe zu haben.
Jetzt hat der Kreistag aber – auch mit den Stimmen aus Ubstadt-Weiher und Bruchsal – entschieden, dass die alte Deponie mit einer zweiten, neuen, überdeckt werden soll. 60 Jahre lang sollen hier nicht recycelbarer Bauschutt und teils gefährliche Stoffe wie Asbest, Schlacken oder der Schutt aus Atomanlagen angeliefert werden.
Noch steht man am Anfang des Prozesses, betont der Erste Landesbeamte Knut Bühler. Der Standort erscheint geeignet und besser als fünf andere überprüfte im Landkreis. Am Ende entscheiden aber die Genehmigungsbehörden.
„Unsere Bürger sehen das durchaus kritisch“, bestätigt Ubstadt-Weihers Bürgermeisterin Katharina Kimmich (parteilos). Das hat sich auch am Abend vorher im Gemeinderat gezeigt. „Wir haben hier eine klare Erwartung.“ Ubstadt sei schließlich am nächsten dran. Man wolle aber mit dem Landkreis in einen respektvollen Dialog treten. Respektvoll war auch der Umgangston, mit dem die Bürger mit den Experten auf dem Podium diskutierten. Viele relevante Fragen kamen aufs Tapet. Warum kann man den Müll nicht auch künftig, so wie die vergangenen 20 Jahre schon, in einem anderen Landkreis entsorgen? Diese Frage trieb Rosemarie Dambach aus Ubstadt um.
„Wir sind entsorgungspflichtig“, stellte Bühler klar. 37.000 Tonnen Müll dieser Klasse fallen allein im Landkreis pro Jahr an. „Das ist nur unser eigener Bedarf.“ Die Kapazitäten in anderen Kreisen seien endlich. Ein weiter Transport des Mülls ergebe wirtschaftlich wenig Sinn. „Ich kann die Sorgen verstehen“, erklärt Carol Adam, die Leiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs. Sie widerspricht, dass in früheren Zeiten rund um den Müllberg viel Schindluder getrieben wurde. „Alle Messungen sind unauffällig.“ Man werde die alte Deponie auch künftig engmaschig überwachen.
Die alte Deponie bekomme außerdem eine mehrlagige Deckschicht, auf die dann erst die neue Deponie aufgebracht werde. Diese neue Deckschicht sei ein guter Schutz.
„Aber der Druck“, entgegnet ein Bürger. 2,2 Millionen Tonnen neuer Müll kommen auf den alten Hausmüll oben und vor allem nebendrauf. „Die alte Deponie hat sich bereits gesetzt“, entgegnet ein Fachmann aus dem Neckar-Odenwaldkreis. „Das Wasser ist das entscheidende Moment“, und das komme dank der neuen Abdichtung nicht an den alten Hausmüll ran.
Auch Peter Henigin versucht, manche berechtigte Sorge zu entkräften. Seine wat-Ingenieursgesellschaft hat den Standort nach strengen Kriterien ausgesucht. Der erfahrene Ingenieur kommt zu dem Schluss: „Bei keiner Standortsuche war das Ergebnis so eindeutig wie hier.“ Will sagen: Der Bruchsaler Standort sei allen anderen Standorten im Landkreis, etwa bei Waghäusel oder Hambrücken, weit überlegen.
Die neue „Auflast“, so Henigin, stelle nach ersten Untersuchungen kein Problem dar. Werde aber auch im folgenden Genehmigungsverfahren weiter untersucht. Die Anlieferung des künftigen Mülls sei streng kontrolliert, so die Antwort auf eine weitere Bürgerfrage. Alle Lieferungen werden genau untersucht, gewogen und gesichtet.
Sollte sich die alte Deponie noch nicht ausreichend gesetzt haben, könnte man nachverdichten. Henigin verstehe das Argument, dass ein Müllberg das Landschaftsbild verändere. Aber ein neuer Müllberg auf einer freien Fläche etwa in der Rheinebene bei Waghäusel hätte eine viel stärkere Wirkung.
Mit freundlicher Genehmigung der BNN



