ArtenReich

‚ArtenReich‘ ist eine Aktion für mehr Artenvielfalt in Ubstadt-Weiher

Den Verlust an biologischer Vielfalt zu stoppen und eine positive Entwicklung einzuleiten sind erklärte Ziele der Naturschutzstrategie des Landes Baden-Württemberg. Neben Politik und Wirtschaft, Verbänden und Bildungseinrichtungen, Land- und Forstwirtschaft sind die Kommunen wichtige Akteure bei der Umsetzung dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. So sind in den vergangenen Jahren neben ausgewiesenen Naturschutzflächen, Gewässern und Auen sowie land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen auch Privatgärten und öffentliche Grünflächen zunehmend in den Fokus gerückt, wenn es um Artenvielfalt geht.
 
Vor diesem Hintergrund haben sich die politischen Fraktionen und Gremien in Ubstadt-Weiher seit 2019 für die Förderung von Artenvielfalt in Ubstadt-Weiher ausgesprochen:

  • In Privatgärten wird eine klima- und insektenfreundliche Gestaltung begrüßt und unter anderem mit der Ubstadt-Weiherer ArtenReich-Kiste unterstützt.
  • Öffentliches Grün in den Ortslagen profitiert hier und da von Beetpatenschaften, mit denen sich Anwohnerinnen und Anwohner einer liebevollen Gestaltung und Pflege von Baumscheiben und anderen kleinen öffentlichen Grünflächen annehmen.
  • An Straßen oder Verkehrskreiseln, entlang von Feldwegen und Baumreihen in der freien Landschaft, an Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden, aber auch auf Friedhöfen ist mehr Artenvielfalt möglich! Verstärkt werden solche Flächen als Kräuterrasen oder Wiesen angelegt und durch Bauhof-Mitarbeiter oder externe Dienstleister nach ökologischen Gesichtspunkten als extensive Mähflächen

Ein ‚Lebensturm‘ ist Artenvielfalt auf 1 Quadratmeter!   

Zeuterner Hüttenbauer errichteten den 1 Lebensturm in Ubstadt-Weiher – von links: Hartmut Knaus, Roland Dutzi, Franz Schwarz, Erich Dreher, Siegfried Sambale und Richard Geiß

Da staunten die ‚Zeuterner Hüttenbauer‘ nicht schlecht: Noch während sie mit dem Innenausbau an ihrem jüngsten Werk beschäftigt waren, stellten sich bereits die ersten Wohnungssuchenden ein: Dicke, blau-schwarze und absolut friedliche Holzbienen bohrten mit erstaunlichem Geschick Brutröhren in Totholzstämme, die extra für diesen Zweck im ‚Lebensturm‘ eingebaut worden waren.
Die Inspiration zum Bau eines Lebensturms erhielt Erich Dreher von einem Fernsehbericht aus der Mosel-Region im Frühjahr dieses Jahres. Das war die rettende Idee gegen die Langeweile, die sich bei den rüstigen Zeuterner Rentnern während der coronabedingten Zwangspause breit machte: Ein ‚Lebensturm‘ wäre ein schönes Projekt für seine Truppe, die sich sonst um das gesellschaftliche Leben rund um die Himmelreichhütte kümmert. Ihnen kribbelte es schon seit geraumer Zeit mächtig in den Fingern, und sie wollten endlich wieder gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Das ist ihnen im wahrsten Sinne des Wortes gelungen:
Vier kräftige Robinienpfosten bilden das Grundgerüst, welches mit stabilen Streben und Dielenböden ausgesteift, dem 3,50 m hohen Lebensturm seine Form geben. Auf einem Quadratmeter Grundfläche türmen sich sieben Stockwerke übereinander. Je nach Innenausbau können diese durch verschiedenste Tierartengruppen besiedelt werden: Ebenerdig ist der Eingang zum Igelquartier, welches mit trockenem Laub als temperaturausgleichender Dämmstoff befüllt ist. In den höheren Etagen finden sich Angebote für unterschiedliche Wildbienen, zu den auch Hummeln gehören, sowie für Falter und Käfer. Unterm Dach in gut 3 Metern Höhe gibt es Räume für Vögel und Fledermäuse. Aktuell ist noch ein ganzes Stockwerk frei. Hierfür sollen bei einem Schülerprojekt noch vor den Sommerferien Tonziegel im Brennofen der Grundschule Zeutern gebrannt werden. „Löcher im gebrannten Lehm werden beispielsweise gerne von Mauerbienen als Brutröhren angenommen“, erläutert Margret Börgerding vom Naturschutzverein ‚Alternative Ecke e.V., die dem Lebensturm-Projekt mit ihrer umfassenden Wildbienen-Fachkenntnis zur Seite stand. Sie sorgte auch dafür, dass die verschiedenen Nisthilfen bestmöglich platziert wurden: „Schilf und andere hohle Stängel werden am besten waagrecht gelagert, während markhaltige Stängel von spezialisierten Wildbienenarten nur in senkrechter Position als Nistplatz genutzt werden,“ so Börgerding. Weitere Unterstützung aus der Bürgerschaft erfuhren die Turmbauer auch in vielerlei anderer Hinsicht: Baustoffe wurden gespendet und Geld, um Materialien zu beschaffen, „und zwei hervorragenden Zeuterner Köchinnen haben uns während des Baus bestens verköstigt!“, so Dreher, und er betont: „Der Bau hat uns viel Spaß gemacht, und über eine Nachahmung in anderen Ortsteilen würden wir uns ausdrücklich freuen!“
Die Gemeinde dankt allen Bürgerinnen und Bürgern, die das ‚Lebensturm-Projekt‘ in Zeutern mit Rat und Tat unterstützt haben! Zu betrachten ist das Werk am Start des Hohlwege- und Naturlehrpfads zwischen Friedhof und Grundschule Zeutern.
Der „Lebensturm“ ist ein Projekt im Rahmen der Aktion „ArtenReich“, womit in Ubstadt-Weiher für mehr Artenvielfalt auf öffentlichen und privaten Grünflächen sowie in der freien Landschaft geworben wird.