Von Klagen bis zum geschwätzigen Gesang

Vogelstimmen-Experte Peter Grabitz (rechts) erläuterte den Teilnehmern einzelne Stimmen auf den Zeuterner Streuobstwiesen.  (Bildautor: Franz Lechner - mit freundlicher Genehmigung)

„Den haben wir extra für Euch bestellt“, schmunzelte der Vorsitzende des Ubstadter Naturschutzvereins ‚Alternative Ecke‘, Peter Grabitz, und wies auf den Storch, der am Sonntag um sieben Uhr über den Sportplatz stolzierte.

Der Physik-Lehrer, der sich schon seit seiner Kinderzeit intensiv mit der Natur und ihren Bewohnern beschäftigt, war der Leiter, der von der Gemeinde Ubstadt-Weiher und der Alternativen Ecke gemeinsam organisierten Vogelstimmen-Exkursion.
So sehr sich die über 30 Vogelfreunde über den Anblick von Adebar, dem Storch, freuten, singen wollte der an diesem frühen Morgen nicht für sie. Kein Wunder – schließlich ist der Storch kein Singvogel. „Aber selbst unter den Singvögeln gibt es einige, die nicht wirklich singen können, beispielsweise die Rabenvögel“, erklärte Peter Grabitz den ornithologisch interessierten Naturfreunden, bevor die Gruppe sich auf den Weg machte. Durch das ökologisch wertvolle Streuobstwiesengebiet zwischen Zeutern und Ubstadt führte der Vogelstimmenkenner die Vogelfreunde.
„Manche Vogelstimmen kann man schwer auseinander halten“, machte Grabitz den Teilnehmern gleich zu Beginn der Exkursion deutlich, dass man das Erkennen von Vogelstimmen, wie beispielsweise die der verschiedenen Grasmückenarten nur durch viel Übung erlernen könne. „Selbst ich muss mir manche Vogelstimmen jedes Frühjahr wieder von Neuem einprägen“, gestand er. Ein Problem, das viele Vogelfreunde kennen. Auch Margret Börgerding. „Ein paar Vögel erkenne ich ja schon am Gesang, aber ich will unbedingt noch mehr lernen“, erklärte die Frau aus Zeutern, warum sie an diesem Sonntagmorgen schon so früh unterwegs war. Richard Weigele aus Kraichtal wollte dagegen vor allem wissen, welche Vogelarten man in den Zeuterner Streuobstwiesen noch findet und die kleine Marla aus Stettfeld findet alle Tiere toll. „Vögel mag ich aber besonders gern, mein Lieblingstier ist der Adler“, betonte die Siebenjährige.
Den bekam sie an diesem Morgen natürlich weder zu hören noch zu sehen, dafür aber so manch anderen selten gewordenen Vogel. Das eigenartige Klagen des Wendehalses, eine Spechtart, die auf Streuobstwiesen als Lebensraum angewiesen ist, oder den Gartenrotschwanz. „Das ist ein Verwandter unseres Hausrotschwanzes“, wies der Vorsitzende der Alternative Ecke in Richtung eines Obstbaumes, von wo man einen leisen, wenig abwechslungsreichen Gesang hören konnte. Ganz anders der laute, teils melodische, teils geschwätzige Gesang der Mönchsgrasmücke. „Für mich ist das eine der schönsten Vogelstimmen“, sagte Grabitz und erntete viel Zustimmung.
„Warum singen Vögel überhaupt?“, war eine der Fragen, die der Vogelkenner an diesem Vormittag beantwortete. „Vögel singen, um ihr Revier abzugrenzen und um Weibchen anzulocken“, erklärte Grabitz, und der Gesang bei Singvögeln sei reine Männersache. (Text von Franz Lechner –mit freundlicher Genehmigung).