Schmetterlinge im Fokus der LUBW

Gemäß einer Pressemitteilung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) nimmt die Vielfalt der Tagfalter mit der Ausdehnung monotonen Offenlands ab. Dies bestätigten aktuelle Auswertungen für die Artengruppe der Schmetterlinge im landesweiten und mehrjährig angelegten Insektenmonitoring der LUBW. Demnach sind manche Arten nur noch vereinzelt in Naturschutzgebieten zu finden. Eine Verbesserung der Situation kann durch einen landesweiten Verbund von Biotopen erreicht werden. Dann können sich auch seltene Arten wieder im ganzen Land verbreiten.

Vielfältige Landschaft begünstigt Schmetterlingsvielfalt
Schmetterlinge sind eine wichtige Indikatorgruppe für das im Jahr 2018 begonnene landesweite Insektenmonitoring der LUBW. Die Daten aus den ersten drei Erhebungsjahren liefern bereits richtungsweisende Erkenntnisse. Die Analysen zeigen: Je größer der Anteil von Ackerflächen in der Umgebung der Transekte ist, desto geringer ist die Vielfalt der Schmetterlinge. Transekte sind beprobte Flächen. Weitaus mehr Arten von Tagfaltern wurden in Lebensräumen gefunden, die eine Vielzahl an hochwertigen Geländestrukturen aufweisen, wie magerem Grünland oder Hecken. Eine abwechslungsreiche Landschaft ist somit die Grundlage für Insektenreichtum. Oftmals kann den Schmetterlingen und auch vielen anderen Insekten schon durch weniger „Ordnungsliebe“ geholfen werden, indem beispielsweise Ackerränder weniger bearbeitet werden und so natürlicher Bewuchs zugelassen wird. Optimal ist es, wenn dieser auch über die Wintermonate als Überwinterungsmöglichkeit stehen bleibt.
 
Restpopulationen stärken und miteinander vernetzen
Einige Schmetterlingsarten, wie der Schachbrettfalter (Melanargia galathea) sind auch in landwirtschaftlich genutzten Flächen noch weit verbreitet. Ausgesprochen seltene Arten finden sich nicht ausschließlich in Naturschutzgebieten, wie das Beispiel eines Exemplars des gefährdeten Flockenblumen-Grünwidderchens (Adscita globulariae) zeigt. Die seltenen Funde geben Anlass zur Hoffnung, denn insektenfreundliche Maßnahmen würden auf fruchtbaren Boden fallen. Noch existierende Bestände könnten sich wieder regenerieren. Für die Testgruppe der Tagfalter- und Widderchen konnten insgesamt 112 Tagfalter- und Widderchenarten von 152 in Baden-Württemberg bekannten Arten nachgewiesen werden. Aufgrund ihres kurzen Lebenszyklus haben Insekten den Vorteil, dass Restpopulationen rasch auf entsprechende Verbesserungen des Lebensraumes reagieren können und sich stabilisieren. „Dies gelingt jedoch nur, wenn noch eine Restpopulation vorhanden ist. Deshalb sind zeitnahe Verbesserungen der Lebensräume für unsere Insekten sehr wichtig“, so Eva Bell, Präsidentin der LUBW.
 
Eine entscheidende Rolle nimmt hier der Biotopverbund ein. Strukturreiche Lebensräume müssen in Zukunft noch stärker vernetzt werden, um die Artenvielfalt landesweit wieder zu steigern. „Der geplante landesweite Biotopverbund kann auch mit kleineren Maßnahmen von jeder Kommune und von jeder Bürgerin und jedem Bürger aktiv gefördert werden“, betont Präsidentin Bell. „Jeder kann sich auf unserer Webseite direkt über den landesweiten Biotopverbund informieren“.
 
Biotopverbund und Mähkonzept in Ubstadt-Weiher
Ein Biotopverbundkonzept wurde in Ubstadt-Weiher bereits im Zuge eines Flurbereinigungsverfahrens in den 90er Jahren umgesetzt. Dabei wurden u.a. zahlreiche wegbegleitende Baumreihen und Gras- / Krautstreifen in der Landschaft angelegt. Aktuell bemüht sich die Gemeinde darum, diese wichtigen Verbundbiotope aufzuwerten, indem durch ein angepasstes Mähkonzept Blütenpflanzen gefördert, Insekten sowie andere Kleintiere geschont und in ihrer Entwicklung begünstigt werden. Eine Streifenmahd mit schonendem Mähgerät, bei der immer nur Teilflächen gemäht werden und dazwischen oder am Rand der Fläche Kräuter und Altgrasbestände stehen bleiben, kann maßgeblich zu einer größeren Blüten- und Insektenvielfalt beitragen.
 
Weiterführende Informationen:
Insektenmonitoring: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/insektenmonitoring
Biotopverbund: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/biotopverbund