Nur Sand und Kies am Kreisel Weiher?

Steppenstauden  – Trockenheitstolerante Vielfalt

Die Reaktionen reichen von interessierten Rückfragen bis zu purem Entsetzen. Deshalb soll an dieser Stelle das Konzept der Grünflächen-Umgestaltung am Kreisel in der Ubstadter Straße in Weiher erläutert werden

Was war passiert?
Vor einigen Tagen hatten Mitarbeiter der Gemeinde in der Grünfläche am Kreisel ein Edelstahlblech eingebaut, welches rund 20 cm aus dem Boden herausschaut und eine Teilfläche in der Mitte des Kreisels vom äußeren Rand abgrenzt. Die innere Fläche wurde mit Kiessand vom nahegelegenen Kieswerk aufgefüllt. Es wurden rund 300 Stauden, sowie Zwiebel- und Knollenpflanzen eingebracht, die aktuell naturgemäß Winterruhe halten. An einer Stelle muss noch fertig gepflanzt werden, sobald ein noch fehlender Anschlusspunkt fertiggestellt ist.

Was sind das für Pflanzen, die dort gepflanzt wurden?
Königs- und Prachtkerzen, Blauraute und Mittelmeer-Wolfsmilch, Sonnenhut- und Sonnenbraut-Arten sind Steppen- und Kiesgartenstauden. Ihre Heimat sind Steppen und Prärien, wo sie überwiegend auf leichten Böden wachsen, ähnlich den Sandböden in Weiher. Es sind „Sonnenanbeter“, die die volle Besonnung ohne schützenden Schatten lieben – so wie am Kreisel. Und sie sind es gewohnt, lange Trockenperioden schadlos zu überdauern, wie wir sie in den vergangenen Jahren zunehmend erlebt haben und voraussichtlich auch weiterhin erleben werden. Es wurden also in jeder Hinsicht standortgerechte Pflanzen ausgewählt. Mit dem Kiessand wurde der bevorzugte Lebensraum von Steppenstauden, dem der Standort am Kreisel bereits recht nahe kommt, optimiert. Für diese Standortoptimierung wurde die fachliche Beratung des Staudengärtners Till Hofmann in Anspruch genommen, der sich seit vielen Jahren mit der Anlage von Kies- und Sandbeeten beschäftigt. Auch die Pflanzenauswahl hat Hofmann aufgrund seiner Erfahrungen in Augenschein genommen, nachjustiert und schließlich für gut befunden.

Wurde denn auch an die Insekten gedacht?
Die meisten Steppenstauden sind hervorragende Pollen- und Nektarspender und werden gerne von unterschiedlichsten Insekten aufgesucht. Die Blütezeit der verschiedenen Arten erstreckt sich über den Sommer bis in die letzten Herbsttage. Wenn dann über Winter Samenstände, abgestorbene Stängel und Grashorste auf dem Beet bleiben, können darin Larven überwintern, die im nächsten Jahr ihre Entwicklung zur Wildbiene oder Heuschrecke, zum Falter, oder Käfer vollenden. Die Staude selbst ruht über Winter in ihren Vegetationspunkten, die an oder unter der Erdoberfläche liegen und aus denen sie im kommenden Frühjahr erneut austreibt. Während sie im Frühjahr erst Blätter und Triebe bilden muss, liefern dann schon frühe Krokusse und Narzissen den ersten Pollen für Hummeln, Mauerbienen und andere ‚Frühaufsteher‘.

Wie wird die Pflanzfläche aussehen?
Die Grünfläche am Kreisel wird vielfältig an Blüten und Strukturen werden. Die verschiedenen Steppenstauden sind tendenziell hochwüchsig. Bei den Farben werden Violett- und Gelbtöne dominieren, die durch silbrige Blätter unterstrichen werden. Farben und Blühaspekte werden sich im Jahresverlauf wandeln. Dynamik ist ausdrücklich erwünscht. Einige Arten sind kurzlebig, erhalten sich durch Selbstaussaat, wachsen an anderer Stelle im Beet neu auf. Andere Arten brauchen einige Jahre, bis sie sich an ihrem Pflanzort etabliert haben und entwickeln sich dafür über viele Jahre zu echten ‚Hinguckern‘.