Laden Sie sich doch mal einen ‚Erntegast‘ ein!

 
Viele Obstbäume hängen dieses Jahr wieder brechend voll. Einige Bäume werden noch von ihren Eigentümern abgeerntet, aber zahlreiche Früchte fallen auch ungenutzt zu Boden, weil es den Besitzern einfach zu viel ist. Da kommt manch einer auf den Gedanken, mal eine gute Portion aufzulesen und nebenher noch ein paar makellose Früchtchen vom Baum zu holen – bei diesem Überfluss fällt das doch kaum auf, oder??

Vielleicht doch! Es gibt Betriebe und Stücklesbesitzer, die ihr Streuobst vermarkten oder zur Kelterei bringen und somit echte Erträge aus ihrem Obst erwirtschaften. Für diejenigen ist Obstdiebstahl eine finanzielle Einbuße. Grundsätzlich gilt: Ernten von fremdem Obst – egal ob vom Baum oder vom Boden ist verboten! Auch der sogenannte „Mundraub“ – vom Baum in den Mund – ist seit 1975 streng genommen unzulässig. Bei vielen ist überdies der 11.11. als Datum im Kopf verankert, ab welchem man vermeintlich herrenloses Obst mitnehmen darf. Das ist aber auch nicht richtig. Das Obst eines Baumes gehört demjenigen, dem auch die Fläche gehört, auf der der Baum steht. Einzige Ausnahme: Wenn Obst auf ein Nachbargrundstück fällt, dann gehört das Obst diesem Nachbarn.
Es gibt jedoch einige Möglichkeiten legal an Streuobst zu kommen. Auf der Internetseite www.mundraub.org kann man sich z.B. bundesweit darüber informieren, wo Streuobstbäume zu finden sind, die beerntet werden dürfen. Man kann dort auch seinen eigenen Streuobstbaum eintragen und zur Beerntung frei geben.
In Ubstadt-Weiher soll in diesem Jahr wieder die Aktion ‚ERNTEGAST‘ angeregt werden, um Überfluss an Obst und interessierte BürgerInnen zusammen zu bringen. Damit es funktionieren kann, braucht es wenige, einfache Regeln:
1.) Sie haben einen Baum – oder mehrere Bäume - mit Behang, den Sie nicht abernten wollen? Dann binden Sie ein breites weißes Stoffband (z.B. Teil eines alten Bettlakens o.ä.) um den Stamm unterhalb der Krone! Das ist das Zeichen, dass Sie einen Gast einladen zum Ernten.
2.) Sie haben keinen Baum, hätten aber so gerne ein paar erntefrische Früchte – und sehen einen Baum mit einem breiten, weißen Stoffband am Stamm unterhalb der Krone? Dann nichts wie ran – hier sind Sie ein willkommener Erntegast und dürfen zugreifen!
3.) Fairness bitte! Bitte achten Sie als Gast darauf, dass Sie den Baum nicht schädigen und dass Sie wirklich nur an den eindeutig gekennzeichneten Bäumen ernten – auch wenn die Früchte nebendran viel schöner aussehen! Wenn ein Baum nicht gekennzeichnet ist, dann müssen Sie davon ausgehen, dass der Eigentümer ihn selbst abernten möchte!
Schön wär’s, wenn diese Aktion erfolgreich wäre und möglichst viele saftige Früchtchen einen Abnehmer finden würden. Gut für’s Klima wäre es nebenbei auch, denn das Obst ‚von hier‘ braucht keinen weiten Transportweg und schont so die Ressourcen und die Umwelt. Und überhaupt: ist es sonst nicht jammerschade um die vielen schönen Früchte – und dabei schmecken die doch so gut auf dem Kuchen, als Kompott, getrocknet oder frisch in den Mund!