Gemeindewald soll klimaresistenter werden

Gassen wie diese dienen den Forstleuten in der Holzernte zur Befahrung. Durch sie soll eine Beschädigung des Waldbodens minimiert werden.

In Folge der beiden Dürresommer 2018 und 2019 wurden zahlreiche Buchen im Gemeindewald Ubstadt-Weiher stark geschädigt. Hauptschadensgebiet ist dabei der Bössinger Wald und der Große Wald in den Ortsteilen Ubstadt und Zeutern.

„Die geschwächten Bäume konnten ihre natürlichen Abwehrmechanismen nicht mehr einsetzen, sodass Pilze und Borkenkäfer ein leichtes Spiel hatten,“ erklärt der zuständige Forstbezirksleiter Dr. Simon Boden, „ein Teil der betroffenen Buchen ist jedoch einfach verdurstet.“ Da von den absterbenden Buchen eine erhöhte Gefahr für Waldbesucher durch herabfallende Äste ausging, wurden in der laufenden Einschlagssaison in den geschädigten Waldgebieten Sanitätshiebe durchgeführt.
„Die abgestorbenen Buchen beginnen relativ rasch, ihre zum Teil sehr großen Äste abzuwerfen. Hätte man die absterbenden Bäume stehen gelassen, wären große Teile des Gemeindewalds von Ubstadt-Weiher für mehrere Jahre nicht mehr begehbar gewesen“, erklärt Revierleiter Jens Schweizer, der zum Jahreswechsel die Nachfolge von Florian Fiedler angetreten hat. „Durch die Räumung der betroffenen Schadflächen wird außerdem ermöglicht, gezielt trockenresistentere Baumarten wie Eiche, Spitzahorn oder Elsbeere auf den Schadflächen anzubauen und den Wald klimafit zu machen.“
Für die Fällung der kranken Buchen wurde ein Spezialsystem mit einem Holzvollernter eingesetzt. Mithilfe einer in einen Kran eingebauten Säge kann das Holz größtenteils vollmechanisiert aufgearbeitet werden. „Durch die Wahl eines hohen Mechanisierungsgrads konnte eine Gefährdung von Waldarbeitern, welche die Bäume händisch mit einer Motorsäge umsägen, vermieden werden,“ erklärt Jens Schweizer. „Beim Fällen der Bäume kommt es zu Erschütterungen, wodurch abgestorbene Äste aus der Krone des Baums herausbrechen können. Da sich ein Waldarbeiter dann noch direkt am Baum befinden würde, wäre eine händische Fällung aus Gründen der Arbeitssicherheit nicht vertretbar gewesen.“
Um eine flächige Befahrung des Waldbodens durch die Forstmaschinen zu verhindern, darf die Hiebsfläche nur auf vorgegebenen Gassen befahren werden. Diese liegen in einem Abstand von ca. 40 Metern zueinander. „Durch eine Bündelung der Befahrung auf diese Gassen wird erreicht, dass die ökologische Funktion des Waldbodens erhalten bleibt. Durch eine flächige Verdichtung des Waldbodens würde ansonsten die Wasserspeicherkapazität und Bodendurchlüftung stark eingeschränkt werden,“ erklärt Dr. Simon Boden.
Aus Sicht der Forstexperten ist der Gesundheitszustand des Gemeindewalds Ubstadt-Weiher weiterhin als kritisch zu beurteilen. Zwar habe es in den vergangenen Monaten genug Niederschläge gegeben, um zu einer Entspannung der Lage beizutragen. Der bisher zu milde Winter begünstige jedoch die Entwicklung von baumschädigenden Pilzen und Insekten.
In den kommenden Jahren werde es die Hauptaufgabe im Gemeindewald sein, den Wald aktiv durch die Pflanzung klimastabiler Baumarten zu stärken. Da die Gemeinde Ubstadt-Weiher bereits in der Vergangenheit beispielgebend in den Anbau wärmeliebender Baumarten wie Eiche, Vogelkirsche oder Nuss investiert hat, sei die Lage jedoch weniger angespannt als bei anderen Waldbesitzern, erklären die Förster.