Eine Institution verlässt Stettfeld - Erzieherin Liane Vetter tritt nach über 44 Jahren im Kindergarten St. Teresa ihren Ruhestand an

Zur Verabschiedung von Liane Vetter (Mitte) kamen auch die ehemalige Leiterin des Kindergartens St. Teresa Angelika Heim (links) und Pfarrer in Ruhe Remigius Bopp (rechts)

„Man braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen“, zitierte Bürgermeister Tony Löffler ein afrikanisches Sprichwort. In Stettfeld sei es umgekehrt, hier seien „Generationen durch die liebevollen Hände einer Person gegangen“, brachte er auf den Punkt, was Liane Vetter so besonders machte.

Denn sie verabschiedete sich nach 44 Jahren und sechs Monaten als Erzieherin im Kindergarten St. Teresa in den Ruhestand. Diese lange Zeit in derselben Einrichtung sei „wirklich außergewöhnlich“, ergänzte Christian Erath, Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Forst-Ubstadt-Weiher, die Träger der KiTa ist. „Frau Vetter wurde durch ihre Herzlichkeit und ihre Offenheit zu einer Institution im Kindergarten und in Stettfeld“. Sie habe „enorme Veränderungen im Kindergarten erlebt und mitgestaltet. Wir verlieren sie nur ungern, wünschen ihr aber von Herzen einen gesegneten Ruhestand“, so der Pfarrer weiter. Viele Wegbegleiter, darunter zahlreiche „Ehemalige“ – Kinder, Mütter, Kolleginnen – aber auch Pfarrer in Ruhe Remigius Bopp, waren zu einem kleinen, aber erinnerungsträchtigen Zusammentreffen gekommen, um sich zu verabschieden. Fotoalben und Bilderwände riefen die Jahrzehnte wach, in denen Liane Vetter die Entwicklung von der „Kinderschule“ mit zwei Gruppen je 25 Kindern zur Kindertagesstätte (KiTa) St. Teresa mit sechs Gruppen, darunter zwei Krippengruppen, mit insgesamt rund 100 Kindern miterlebt und mitgeprägt hat. Erinnern an den Umzug vom „alten“ Kindergarten im Josefshaus in der Haagstraße in die 1994 neugebaute KiTa in der Humboldtstraße, wo ihre „Gruppe zwei“ inzwischen zur „Schmetterlingsgruppe“ geworden ist. Übrigens – auch die Gruppe drei, heute Eulen, hat mit Stefanie Lenhardt eine beständige Kraft. Sie blickte im September auf 25 Jahre Erzieherinnentätigkeit im St. Teresa zurück. „Stettfeld war mein Leben“, sagt Liane Vetter, die inzwischen in Östringen wohnt. Dabei kannte sie den Ort damals nur von der Durchfahrt mit dem „Bähnle“. Sie ist vor 64 Jahren in Hilsbach zur Welt gekommen und hat dort später ein Praktikum im Kindergarten abgelegt, bei dem ihr vom ersten Moment an klar war: „Genau das will ich machen“. Nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin am Sancta Maria in Bruchsal trat sie ihre erste Stelle in einer Einrichtung in Heilbronn an. Noch in der Probezeit erhielt sie ein Angebot aus Stettfeld. Und das habe sofort genau gepasst. Ihre natürliche und ruhige Art, vor allem aber ihre Liebe zu allen Kindern hat sie sofort Kontakt zu ihren Schützlingen und deren Eltern finden lassen und – das ist noch heute so. „Liane ist wie ein Fels in der Brandung und hat immer ein offenes Ohr für uns Eltern“, sagt Isabell Heilig, die gerade ihren Sohn vom Kindergarten abholt und dessen achtjährige Schwester schon von Liane betreut wurde. Aber auch ehemalige Kindergartenkinder wie die 24-Jährige Kristina Keller und ihr drei Jahre jüngerer Bruder Alexander erinnern sich noch haargenau an das Stuhlkreis-Spiel „Mein rechter, rechter Platz ist leer“ oder dass Liane Lieblingsgerichte der Kinder gekocht hat. Liane sei „eine Institution in Stettfeld“, die jeder und jeden kennt, findet deren Mama Martina. Immer seien auch die Eltern einbezogen worden und es gebe vieles, was sie beibehalten hat. So sei ihre Bastelleidenschaft von Liane geweckt worden, ob beim Adventskranzzieren, Laternen- oder später Schultütenherstellen. Und die von Liane übernommenen Rezepte wie Löwenzahngelee oder Kürbissuppe gehörten nach wie vor zum Familienbestand. Überhaupt sei ihr das Leben im Jahresverlauf, die kirchlichen Feiertage, Brauchtum und Tradition vom Ostereierfärben über Adventskranzschmücken bis Weihnachtsplätzchen backen sehr wichtig gewesen, sagt Liane Vetter selbst. Als „Naturtalent, das mit ganzem Herzen in ihrem Beruf aufgeht“ beschreibt sie die ehemalige KiTa-Leiterin Angelika Heim, die 34 Jahre lang mit ihr zusammengearbeitet hat. Mit ihren klaren Ansagen und ihrem strukturierten Denken habe sie den Kindern Sicherheit vermittelt. Viele Hundert Stettfelder Sprösslinge mögen es gewesen sein, denen sie unter anderem Heilkräuterwissen bei- und Verkehrserziehung nähergebracht hat. „Nur was man selbst mit Leidenschaft macht, kann man den Kindern weitergeben“, ist ihre Devise. Doch nicht nur die Kleinen profitierten von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung. Clarissa Kratz hat ihr Vorpraktikum unter Lianes Fittichen absolviert, ist heute die stellvertretende Leiterin im St. Teresa und sagt, sie habe „viel von Liane gelernt“, die immer „hundertprozentig hier war, sobald sie zur Tür reinkam“. Lianes erste Kinder aus dem Josefshaus sind längst erwachsen. Melanie Willhauck zum Beispiel, die inzwischen selbst als Erzieherin im St. Teresa arbeitet. Oder Sandra Cairo, geborene Roth. Die 48-Jährige gehörte zu Lianes allerersten Gruppe. Mit ihrer Familie verbindet die Erzieherin eine ganz besondere Freundschaft. „Das ist mein Rother Faden in Stettfeld“ schmunzelt sie. Nicht nur, dass die Roths und Cairos in direkter Nachbarschaft zum Kindergarten wohnen, Sandras Vater Helmut hat sich lange Jahre als Hausmeister um vieles gekümmert, Mutter Emmi war ihr eine gute Freundin, ihr Sohn Luca (18) und die Kinder ihres Bruders, Alina (8) und Rouven (6), „waren bei Liane“. Nun möchte sie erstmal ihre Zeit ohne Wecker genießen, nix müssen, aber alles können, Urlaub machen ohne auf die Ferien zu achten, an der Nordsee zum Beispiel, „weil ich doch so gerne den Wind mag“ und – hin und wieder in Stettfeld einkaufen, „um die Leute wiederzusehen“.
 (Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der BNN)