Damm wird erneuert - Der Kraichbach soll sich wieder schlängeln

Der Gemeinderat von Ubstadt-Weiher hat sich in seiner Sitzung am Dienstagabend mit dem Thema Hochwasserschutz am Kraichbach beschäftigt. Projektsteuerer Bruno Büchele brachte die Räte auf den neuesten Stand bezüglich des Bachs, nachdem im Jahr 2016 das Gremium ein Hochwasserkonzept verabschiedet hatte.

Auf der Gesamtlänge von 145 Kilometern ist die Gewässerstrukturgüte auf 138 Kilometern defizitär – worunter auch ein Abschnitt auf der Gemarkung von Ubstadt-Weiher fällt.
Insgesamt sind auf einer Gesamtlänge von drei Kilometern Dammbauarbeiten vorgesehen, und zwar vom Klärwerk aus südlich an Stettfeld vorbei bis zu dem Abschnitt in Ubstadt, der bereits in den 1990er Jahren renaturiert wurde. Größtes Manko: die Dämme sind zu steil, zu niedrig und nach den heutigen Regeln der Technik gelten Sie als nicht mehr standsicher. Seit die Planung 2017 optimiert wurde, ist zudem der ökologische Aspekt stärker gewichtet worden.
Weitere Ingenieure aus verschiedenen Büros und Institutionen berichteten über die Pläne und Gutachten. Um die neuen Dämme nach der modernen Geotechnik flacher und breiter zu gestalten, ist zusätzliches Material notwendig.
Im „Bruch von Stettfeld“ soll eine Überflutungsfläche zur Entlastung entstehen. Damit sich die Tierwelt daran gewöhnt, soll außerhalb von Hochwasser immer wieder „ein kleiner Schwapper“ eingeleitet werden, wie es Christian Stieler es formulierte.
Ina Nadolny sprach sich für einen bachtypischen Ufergehölzsaum zur Beschattung aus, Sohlstrukturen sollen durch Totholz gefördert werden. Der begradigte Bachlauf soll wieder geschwungen werden, was auch Tiefenkolke fördert, langfristig sei jedoch ein gemeindeübergreifendes Konzept gegen die Verschlammung notwendig.
Walter Simon warf unterdessen einen Blick auf die Naturschutzverordnung, die möglicherweise verändert werden muss.
Im Zuge des Artenschutzes wurden 75 Vogelarten gezählt, davon 57 Brutvögel, weiterhin elf Fledermausarten, 14 Libellenarten, sowie eine Vielzahl Amphibien, Reptilien und Haselmaus. Maßnahmen zur Stechmückenbekämpfung sind im Gesamtkonzept enthalten.
Die Allmendbrücke wird im Zuge der Arbeiten abgerissen werden. Allerdings soll direkt am Bahndamm eine neue Brücke errichtet werden. Insgesamt sei die Planung jetzt weit gediehen, so die Verantwortlichen. Nun gehe es darum, die Finanzvereinbarung mit dem Regierungspräsidium abzuschließen: Die geschätzten Kosten von 9,4 Millionen Euro werden die Gemeinde mit einem geschätzten voraussichtlichen Eigenanteil von rd. 2,4 Mio Euro treffen. Die Kosten der weiteren Genehmigungsplanung trägt zu 76 Prozent das Land, 24 Prozent die Gemeinde. Weiter müssen die Planerverträge angepasst werden sowie weitere Gutachten und Projektsteuerung beauftragt werden.
Ein wichtiges Terminziel ist bereits gesetzt: Die Genehmigungsplanung soll im ersten Quartal 2021 vorgelegt werden.
(veröffentlicht in den BNN am 18.06.2020 – Autor Armin Herberger)