Beim gemeinsamen Herbsten tagt der Ubstadt-Weiherer Gemeinderat zum 30. Mal zwischen grünen Reben

Es geht wieder los. Wie jedes Jahr im Herbst schicken sich die Kraichgauer Winzer an im wahrsten Sinne des Wortes die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Auf einem kleinen Weinberg oberhalb von Stettfeld mit wunderbarem Blick auf das benachbarte Zeutern, tummeln sich am Montagnachmittag aber ein paar Herrschaften die man nicht so ohne weiteres in diese Szenerie verorten würde.

Hier arbeiten an diesem besonderen Tag aktuelle und ehemalige Gemeinderäte - Seite an Seite mit Ubstadt-Weihers Bürgermeister Tony Löffler - an der Weinlese 2019. Tradition verpflichtet eben, bereits zum 30. Mal stellen sich die Ratsherren der schweißtreibenden aber lohnenden Aufgabe. 
 
Alle sind sie an diesem sonnigen Herbsttag auf den Beinen: Der stellvertretende Hauptamtsleiter Toni Ziesel hat die Lese wieder gut organisiert und auch für ein zünftiges Vesper gesorgt. Dominik Zindl ist einer der „tragenden Kräfte“ der Bütte. 50 bis 60 Kilogramm wiegt ein solcher “Rucksack”, der heute wie damals  einfach auf den starken Rücken geschnallt wird. Doch hier heißt es “Klotzen nicht kleckern” und zwar für alle. Der älteste Helfer, Ex-Gemeinderat Bruno Loes zählt immerhin weit über 80 Lenze. Seit unzähligen Jahren, so der ältere Herr, sei er bei der Ratsherrenlese dabei. „Früher“, erinnert sich der pensionierte Postbeamte nicht ganz ohne Wehmut, „war das Herbsten ein richtiges Ereignis.“ Damals wurde gesungen, gab es nach jedem Lesetag ein gemütliches Beisammensein, oft bis in die Nacht hinein. Vielleicht wird es heut wieder so, fügte Loes noch schmunzelnd an.
 
Ungefähr zweieinhalb Stunden dauert es bis die 800 Quadratmeter Weinberg geherbstet sind und manch ein Ratsherr kommt mächtig ins Schwitzen. Auf dem Stettfelder Weinberg herrschte bei gutem Herbstwetter prächtige Stimmung. Während die Trauben von fleißigen Händen in die Eimer und von dort in die großen Wannen wandern, finden die Hobbywinzer genug Zeit zum Plaudern und zum Scherzen. Auch Anekdoten von früheren Herbstereignissen werden zum Besten gegeben. Zum Beispiel wie Ludwig Zimmerer der Karin Della Valle bei einer früheren Lese mit dem Bulldog über das Fahrrad gefahren war und das Vesper auf dem Boden zerstreut wurde. In knapp 30 Jahren ereignen sich eben viele schöne Geschichten, an die man sich gerne zurück erinnert.
 
Selbstredend darf ein kräftiges Vesper nach getaner Arbeit nicht fehlen. Dies bietet für die Räte alljährlich einen willkommenen Anlass zur „Sitzung im Freien“, bei der kräftig politisiert wird. So manche strittige und schwierige Entscheidung wurde hier auf dem Stettfelder Weinberg bei einem Glas Wein gütlich gelöst - mehr als man denken möchte, verrät schmunzelnd Bürgermeister Tony Löffler. Wo sonst könnte man reineren Wein einschenken als zu diesem Anlass, auch in der Politik tut ein Tapetenwechsel manchmal eben gut.