Am Rand des Suchraums

Die Güterverkehrstrasse Mannheim-Karlsruhe im sogenannten Mittelrhein-Korridor war bisher in Ubstadt-Weiher kein großes Thema. Andere Kommunen, die vom möglichen Trassenverlauf in größerem Umfang betroffen sind, hatten sich nach der Auftaktveranstaltung im November letzten Jahres schon frühzeitig im Dialogforum der Bahn eingebracht. Ubstadt-Weiher liegt am Rande des Suchraums, Zeutern etwa schon außerhalb, ein Großteil der Gemarkung weist Raumwiderstände als „sehr hoch“ und „außerordentlich hoch“ aus.

Gert Hager, Direktor des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein, ging vor dem Gemeinderat und interessierten Bürgern auf das Verfahren generell ein. „Da werden nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Bagger rollen“, konnte er zunächst beruhigen. Aktuell sei man erst im Dialogstatus, dem folgt das Raumordnungsverfahren, die Bedarfsplanumsetzungsvereinbarung (BvU) des Bundestags sowie das Planfeststellungsverfahren, danach erst die Umsetzung. Noch gibt es viele Grobkorridore, denen dann später Linienentwürfe folgen. Davon werden dann einige Varianten ernsthaft in Betracht gezogen, bis es dann zur Vorzugsvariante kommt, die beantragt werden soll – wenn alles nach Plan läuft, im Frühjahr 2022. „Bahn und Bund haben versprochen, nicht im Hinterzimmer zu verhandeln, sondern auf dem offenen Marktplatz“, betonte Hager und legte die Rolle seines Verbandes fest: „Für die Region wollen wir das beste rausholen, ich bitte Sie um kritische Begleitung.“
Kritisch-konstruktive Fragen von den Räten gab es einige, etwa ob der Ausbau bevorzugter Trassen bevorzugt werden, was nicht der Fall ist („wir werden sowohl als auch sehen“), ob man die Autobahn mit Hochgleisen überbauen könnte („es gibt keine Denkverbote, aber das wäre wohl zu teuer“) und ob Wald besonders geschont wird („auch im Offenland sind schützenswerte Biotope“). Bürgermeister Tony Löffler (CDU) befürchtet zwar, das Ubstadt-Weiher in mehreren Varianten betroffen sein könnte, allerdings dürfte nicht nach dem „St. Florians-Prinzip“ entschieden werden, sondern nach objektiven Kriterien“.
 
(Armin Herberger; mit freundlicher Genehmigung der BNN)