Der Palast unter Streuobstwiesen

Wirtschaftsstaatssekretärin Katrin Schütz macht auf ihrer Denkmalreise Station in Stettfeld; Einblicke in moderne Methoden der Archäologie

Es ist ein idyllisches Areal, rund eineinhalb Kilometer von der Stettfelder Ortsmitte entfernt im Norden gelegen, mit Streuobstbäumen soweit das Auge reicht. Am Donnerstag durchzog rot-weißes Absperrband die Felder und Wiesen – als Hinweis darauf, dass hier etwas Außergewöhnliches zu sehen sein könnte.

Was, das ist auf einer Hinweistafel zu lesen, die anlässlich des Besuches von Katrin Schütz, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg, enthüllt wurde und den Auftakt eines Wanderweges zu römischen Stätten in der Umgebung darstellt. Auf ihrer diesjährigen Denkmalreise durch die vier Regierungsbezirke des Landes machte Katrin Schütz auch Station im Ubstadt-Weiherer Ortsteil Stettfeld. Auf ihrer jährlich stattfindenden Tour schaue sie sich außergewöhnliche Denkmäler an, von denen Baden-Württemberg eine ganze Reihe aufzuweisen habe, erklärte die CDU-Politikerin. Gleichzeitig wolle sie „auf diese Schätze aufmerksam machen“ und das Engagement, gerade das ehrenamtliche, in der Denkmalpflege würdigen, ist einer Pressemitteilung des Ministeriums zu entnehmen. In Stettfeld nun ließ sich Katrin Schütz über ein „herausragendes, archäologisches Denkmal“ informieren, zu dem es „nichts Vergleichbares in Baden-Württemberg“ gebe, so Claus Wolf, Abteilungspräsident des Landesamtes für Denkmalpflege. Allerdings liegt besagte Anlage im Boden, verborgen unter Streuobstwiesen.

Dass es hier im Gewann „Hecken“, das inzwischen als Grabungsschutzgebiet ausgewiesen ist, Hinweise auf eine Besiedlung aus der römischen Vergangenheit gibt, ist seit mehr als 100 Jahren bekannt. Mit modernen, geophysikalischen Methoden gelang es im Laufe der letzten 15 Jahre das Ausmaß dieser Anlage zu erforschen, und das zerstörungsfrei ohne Eingriffe in den Boden. Aktuell zeige der Einsatz von Flugdrohnen „die Mächtigkeit des Gebäudes“, so die Archäologin Britta Rabold vom Landesamt für Denkmalpflege. Virtuelle Rekonstruktionen der geophysikalischen Messungen, wie auf der Hinweistafel zu sehen, machen deutlich, dass es sich hier nicht, wie ursprünglich vermutet, „um eine kleine Landvilla handelt, sondern um einen Palast“, so Bürgermeister Tony Löffler. Und das sei, erläuterte Britta Rabold, „für die römische Forschung des Landes ein Markstein“. Sie sei darüber hinaus überzeugt, dass die Lage des Palastes in Verbindung mit der vor einigen Jahren im Bereich „Sand“ ausgegrabenen Großziegelei nur den Schluss zulasse, dass der Palastherr auch der Inhaber des Großbetriebes sein könne, der seine Produkte mit dem Kürzel „LPL“ gekennzeichnet hat. Landesarchäologe Dirk Krausse führte an, dass Stettfeld, wo unter anderem auch ein beachtliches Gräberfeld gefunden wurde, ein „in Baden-Württemberg einmaliges Ensemble römischer Besiedlung mit Gewerbe und Palast“ und von daher noch weiteres Forschungspotential aufweise. Aber ohne nennenswerte Grabungen, denn so, im Boden, sei das Denkmal „optimal geschützt“. Die Stettfelder Funde, insbesondere die Beigaben aus den Gräbern, wie beispielsweise eine Silberschale, schauten sich die Staatssekretärin Schütz und ihre Delegation anschließend im Römermuseum an, bevor sie zu den nächsten Stationen aufbrachen.
 „Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der BNN“

(created on 12. September 2018)