Der Mensch bekam Rechte, über die der Staat nicht verfügen darf, und der Staat wurde zum Schutz der Rechte des Einzelnen verpflichtet. Die Grundlegitimation des Staates ist die Idee der Menschenwürde. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Dies war der endgültige Abschied vom totalitären Obrigkeitsstaat. Der neue Bundesstaat stellte auch die Verbindung zu unserem geschichtlichen Erbe wieder her, er wurde aus Gemeinden und Ländern zusammengefügt. Föderalismus und die kommunale Selbstverwaltung prägen bis heute unseren Staat. Die Vielfalt und Eigenart der Regionen bereichert unser Zusammenleben und fördert die Toleranz im gesellschaftlichen Miteinander.
Häufig wird darauf hingewiesen, dass die Entwicklung unserer stabilen Demokratie weniger auf die konkrete Konzeption des Grundgesetzes als vielmehr auf die wirtschaftliche Prosperität der Nachkriegszeit zurückgeht. Sicher handelt es sich hierbei um eine fruchtbare Wechselwirkung, denn ohne stabile rechtliche und politische Bedingungen hätte sich die Wirtschaftskraft Westdeutschlands in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht so positiv entwickeln können. Auch die Herausforderung, Millionen Heimatvertriebene und Flüchtlinge aufzunehmen, bestand die junge Bundesrepublik, und deren gelungene Integration führte ebenfalls mit zum wirtschaftlichen und kulturellen Neuanfang. Diese Tatsache sollten wir uns heute vor Augen führen, wenn wir darüber debattieren, wie die Menschen, die in den vergangenen Jahrzehnten, aus anderen Ländern nach Deutschland kamen, erfolgreich zu integrieren sind.
„Freiheit schenkt sich nicht“, diesen Satz prägte Gerhart Baum bei seiner Weimarer Rede zum
60. Jahrestag des Grundgesetzes. Vergegenwärtigen wir uns, wie wichtig die Errungenschaften unserer Demokratie für ein friedliches und freiheitliches Miteinander sind. Dies ist keine Selbst-verständlichkeit, es gilt sie zu sichern und zu verteidigen. Freiheit braucht das Wissen um unsere Traditionen, Werte und Ideale, sie braucht aber auch Verstand und Phantasie. Den materiellen Wohlstand, den unsere Gesellschaft in den zurückliegenden sechs Jahrzehnten erreicht hat, gilt es zu bewahren, und zwar so, dass alle daran teilhaben können. Aber auch Mitmenschlichkeit, Zuwendung und der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft sollten uns wichtig sein. Nur so können wir unsere Zukunft positiv gestalten. Jeder Einzelne ist daher aufgefordert, sich für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie einzusetzen.
Tony Löffler
Bürgermeister
